Seelsorge in der Bundeswehr (Militärseelsorge)

Die Militärseelsorge ist eine Sonderseelsorge an Soldatinnen und Soldaten in ihrer besonderen beruflichen Situation. Sie wird von der evangelischen und der römisch-katholischen Kirche durchgeführt.

Am 22. Februar 1957 wurde zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) der Militärseelsorgevertrag unterzeichnet. Er regelt den Anspruch auf seelsorgerliche Begleitung der Soldaten und die Arbeit von über 100 evangelischen Geistlichen in der Bundeswehr. Der Vertrag schafft der grundgesetzlichen Gewähr freier Religionsausübung auch in den Streitkräften Geltung.

Die Synode der EKD beschloss 2002 eine Änderung des "Kirchengesetzes zur Regelung der evangelischen Militärseelsorge in der Bundesrepublik Deutschland", um den ostdeutschen Landeskirchen den Beitritt zum Militärseelsorgevertrag möglich zu machen. Das "Kirchengesetz zur Regelung der evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr" bestimmt, dass die Soldatenseelsorger auf Zeit als Beamte in den Staatsdienst wechseln, aber Pfarrer oder Pfarrerin ihrer Landeskirche bleiben.

Der "Lebenskundliche Unterricht" in der Armee, den römisch-katholische und evangelische Militärgeistliche erteilen, gehört zum Auftrag beider Kirchen in der Bundeswehr. Er dient der Reflexion und Verantwortung soldatischen Handelns. Anders als in vielen Armeen, haben Pfarrer als Militärgeistliche in Deutschland einen Zivilstatus. Sie tragen keine Uniform und führen keine militärischen Ränge. Auch sind sie nicht in die Befehls- und Meldestruktur der Bundeswehr eingebunden, sondern eine gewollt unabhängige Instanz in den Streitkräften, die jede Soldatin oder jeder Soldat - auch Konfessionslose - in Anspruch nehmen können. Die Militärgeistlichen begleiten die Soldaten nicht nur an ihren Bundeswehrstandorten im In- und Ausland, sondern auch bei den Auslandseinsätzen der Bundeswehr.

Die EKD nimmt die Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr gemäß Paragraph 18 ihrer Grundordnung als Gemeinschaftsaufgabe der Gliedkirchen wahr und stellt die Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr unter die Leitung eines durch den Rat der EKD berufenen hauptamtlichen Militärbischofs. Zur Wahrnehmung seiner Aufgaben und der bischöflichen Aufsicht über die Militärpfarrämter bedient er sich des Evangelischen Kirchenamtes für die Bundeswehr mit Sitz in Berlin, das von einem Militärgeneraldekan geleitet wird. Der Staat sorgt für den organisatorischen Aufbau der Militärseelsorge und trägt ihre Kosten.

Aus dem Aufkommen der Soldatenkirchensteuermittel fließt ein Betrag in Höhe von rd. 10 Millionen Euro im Jahr in den "Handlungsbereich Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr" der EKD. Diese Finanzmittel ergänzen die staatlichen Leistungen für die Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr. Der Fokus liegt u.a. auf der seelsorgerlichen Betreuung von Soldaten und ihren Familien, der Wahrnehmung des kirchlichen Bildungsauftrags und der Begleitung von Soldaten im Auslandseinsatz, beispielsweise in "Rüstzeiten" oder bei posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS).


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Publikationsdatum dieser Seite: 06.12.2018 13:24